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Opel-Familie bringt Steinwild zurück

 

Natur: Ein Aberglaube, der vielen Körperteilen Heilkräfte zusprach, hatte es ausgerottet


Ostallgäu Vor 72 Jahren hat Georg von Opel aus seinem Opel Zoo Kronberg zehn Stück Steinwild in seinem Revier in Reutte/Tirol eingesetzt. Dies war der Beginn der Wiederansiedlung des Steinwildes in Tirol. Erst wurde versucht, diese zehn Tiere in einem Eingewöhnungsgatter zu halten, um sie anschließend in die freie Wildbahn zu entlassen. Allerdings konnten sich die Zootiere in der Natur nicht durchsetzen. 1976 siedelte Georg von Opels Sohn Carlo sieben Stück Steinwild und 1978 nochmals drei Wildfänge aus dem Engadin in der Schweiz in der Region an. Des weiteren kamen 1989 und 2007 jeweils vier Stück Steinwild hinzu, die rund um den Säuling freigelassen wurden. Heute ist diese Steinwildkolonie im Grenzbereich Tirol Ost, Oberbayern und Allgäu mit über 150 Tieren die größte Steinbockansiedlung. So ist es heute im größten Naturschutzgebiet Bayerns, dem Ammerwaldgebirge, keine ausgesprochene Seltenheit mehr, dass dem Bergwanderer zwischen Tegelberg, Schönleitschrofen, Säuling und Hochplatte nicht nur Gämsen, Murmeltiere, Steinadler und Auerwild begegnen, sondern auch die majestätischen Steinböcke mit ihrem Säbelgehörn. Das ist letztlich Georg und Carlo von Opel zu verdanken.

100 Kilo schwere Gebirgsziege

Der Alpensteinbock gehört zu den Gebirgsziegen. Die männlichen Tiere wiegen bis über 100 Kilogramm und werden etwa einen Meter groß. Ihr Gehörn ist relativ stark, mit Querwülsten an der flachen Vorderseite. Es kann bis zu einem Meter lang werden. Die Geißen sind mit um die 50 Kilogramm deutlich leichter und haben ein kleineres Gehörn. Das prächtige Wild wurde im Laufe des 16. und 17. Jahrhunderts im Alpenraum ausgerottet, die letzten im Wallis in der Schweiz gegen 1809. Sie wurden Opfer eines Aberglaubens, der den meisten ihrer Körperteile, sogar ihrem Mist, wunderbare Heilkraft zusprach. Die größte Heilkraft gegen böse Krankheiten sollte jedoch das sogenannte Herzkreuzel, ein Knorpel am Herzeingang des Steinbocks, haben. Dieser Knorpel wurde getrocknet und als glücksbringender Talisman um den Hals gehängt. Ein kleiner Steinwild-Bestand überlebte die massive Jagd im Nationalpark Gran Paradiso, wo er sich nach Unterschutzstellung von König Viktor Emanuel 1816 wieder leicht erholte. Von dort aus stammen alle zur Wiedereinbürgerungen verwendeten Tiere. Diese waren erfolgreich in der Schweiz, Frankreich, Italien, Österreich und in den deutschen Nationalparks Berchtesgaden, Kleinwalsertal und dem Ammerwaldgebirge. Heute gibt es im gesamten Alpenraum auf deutschem Gebiet bereits mehr als 1000 Stück Steinwild und somit auch bereits kontrollierte Abschüsse. Für den Abschuss eines kapitalen Steinbocks zahlt man heute etwa 9200 Euro.

Feinde: Adler und Lawinen

Außer den kontrollierten Abschüssen reguliert sich die Steinwilddichte meist durch Änderung von Fruchtbarkeit und Sterblichkeit von selbst. Als größter Feind für Jungkitze gilt der Steinadler. Erwachsene Tiere fallen in strengen Wintern nicht selten dem Lawinentod zum Opfer. Von diesem Fallwild wiederum ernähren sich in der kalten, nahrungsarmen Jahreszeit im Hochgebirge Steinadler oder Bartgeier.